Virtueller Urlaub
December 2nd, 2007Macht mal Urlaub! Angesichts knapper Budgets und enger Zeitplaene ist das nicht immer ganz einfach. Hier gibt es aber jetzt eine Moeglichkeit das auch vom Homeoffice aus zu tun.
Macht mal Urlaub! Angesichts knapper Budgets und enger Zeitplaene ist das nicht immer ganz einfach. Hier gibt es aber jetzt eine Moeglichkeit das auch vom Homeoffice aus zu tun.
Die sizilianische Fotografin Letizia Battaglia wurde kuerzlich mit dem Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft fuer Photographie (DGPh) ausgezeichnet. Diesen “wichtigsten Preis fuer journalistische Fotografie” (DIE ZEIT) erhielt die engagierte Gegenerin der Mafia in Ludwigshafen im Rahmen der Internationalen Fototage fuer ihr langjaehriges fotografisches Werk zu den Auswirkungen der Mafia auf die italienische Gesellschaft ueberreicht. Laudator war der erste Anti-Mafia Buergermeister der Stadt Palermo Leoluca Orlando der in einer sehr emotionalen und bewegenden Rede die Verdienste von Letizia Battaglia wuerdigte und ihr Engagement fuer eine lebenswuerdige und gewaltfreie Welt betonte.
Der Endemol Medienkonzern, kuenftig auch in der Hand des italienischen Rechtspopulisten Berlusconi, hat sich schon immer durch ein sinnfreies und umstrittenes Programm hervorgetan. Dabei spielt die Polarisierung der Zuschauer und das Bedienen bzw. Erzeugen niederer Instinkte eine wichtige Rolle. Nach BigBrother und der SpermRace kommt jetzt eine Show ins Progamm in der eine todkranke Patientin ueber den Verbleib ihrer Niere entscheidet. Um das Organ bewerben sich drei Transplantations-Beduerftige, die Zuschauer erleben den Run um die lebenswichtige Trophaee.
In einigen Keisen stellt die Aussendung der Show sicher kein Problem dar. Als Phaenomen einer zunehmend trivialisierten Fernsehkultur mit etlichen Beispielen in denen sich Menschen in der Konfrontation mit einer Fernsehkamera zum Aeussersten entbloessen, ist dieses Format aber strittig. Nicht die TV-Geilheit oder Kompensation der eigenen Unbedeutsamkeit ist hier der Motor fuer die Akteure, sondern die schiere Notwendigkeit, zeitnah ein Ersatzorgan zu erhalten, angesichts der geringen Spendenbereitschaft und der unserioesen Machenschaften einiger Transplantationszentren (siehe Broelsch in Essen) wird hier offenbar jeder hingehaltene Strohhalm ergriffen.
Die Diskussion um die Bewertung solcher Sendungen sollte auch ein moegliches Ausstrahlungsverbot beinhalten.
Der letzte Sonntag im April gehoert einer fotografischen Kuriositaet die trotz der technischen Weiterentwicklung der Apparate und des industrialisierten Finishings nicht an Beliebtheit abnimmt: Der Lochkamerafotografie.
Der WPPD ist eine weltweite Vernetzung von Leuten die sich mit dieser Sonderform der Fotografie auseinandersetzen und ausschliesslich oder gelegentlich dieses Verfahren praktizieren. Dabei entstehen merkwuerdig wirkende Bilder deren Reiz eben auch aus der scheinbaren Einfachheit der Herstellung (wer es mal gemacht weiss, dass das nicht immer ganz so einfach ist) und des Rueckbezugs auf grundlegende Bedingungen der Fotografie resultiert. Am WPPD gemachte Aufnahmen koennen von den Autoren ins Netz gestellt werden und bilden so ein interessantes Gesamt-Bild dieses Tages.
Die Aufnahmen vom WPPD 2007 sind online: WorldPinholePhotographyDay
Uebrigens gibt es auch in Deutschland ein interessantes Vorhaben zur Lochkamera. Die Galerie Merid in Stuttgart stellt regelmaessig Lochkameras bei ebay ein, diese Kameras haben zwei Loecher, jeweils eines geht an die beiden Ersteigerer, die Kamera wird zwischen diesen beiden ausgetauscht, nach den zwei Belichtungen entwickelt Merid den Film, stellt das Ergebnis online und sendet den Teilnehmern einen Ausdruck zu.
Super Idee, die Ergebnisse sprechen fuer sich: camera obscura 1-∞
Sehr spannend ist, was dabei durch zwei Personen entsteht, der Prozess des Bildermachens bekommt eine ganz neue und subjektive Dimension (siehe auch Nr. 31, 54, 139 und 140).
Kunst zu faelschen ist ein weit verbreitetes Phaenomen, den gesamten Kuenstler dagegen zu faelschen bzw. zu erfinden ist recht selten.
In Prag wurde jetzt publik, dass es ernst zu nehmende Hinweise darauf gibt, dass es die Person des tschechischen Malers Bohumil Samuel Kecir nie gegeben hat. Die Bilder, die unter dieser Autorenschaft auch in Deutschland und Österreich gehandelt werden, waeren demnach von jemand anderes gemalt worden. Eine Biografie, laut der der angeblich 1904 geborene Künstler sowohl unter den Nazis als auch den Kommunisten gelitten habe und 1987 in einer Heilanstalt gestorben sei, waere demnach frei erfunden, berichtete die Prager Zeitung «Lidove noviny» am 20.04.2007.
Der Wiener «Kecir-Spezialist» Erich Tromayer will den Kuenstler zwar persoenlich nicht gekannt haben, hat aber ein Buch ueber den Maler geschrieben und weist den Verdacht der Falschung von sich.
Fachkreise konnten bisher nicht eindeutig die Existenz des Kuenstlers Kecir belegen, der Kunstmarkt wartet jetzt auf Anzeigen der unter Umstaneden betrogenen Kaeufer von Werken Kecirs.
Der Zirkus zieht weiter. Am 18. April beginnt die “art cologne” in Halle 4 und 5 der koelnmesse, am 19. April dann zum ersten Mal “dc - duesseldorf contemporary”. Der momentane Hype auf dem Kunstmarkt haelt an, schon jetzt sind rekordverdaechtige Preise und Umsaetze zu erwarten.
Auf der sneak preview konnte ich gestern in Koeln schon einige Eindruecke sammeln. Neben sehr interessanten Arbeiten war auch eine beeindruckende Fuelle von Farben und Materialien angesammelt die in der geballten Masse selbst das geuebte Auge auf eine harte Probe stellen. Vieles geriert sich dort als Kunst, ist bei naeherem Betrachten auch ganz dekorativ und in der Nachfolge der Pop Art gut konsumierbar. Oft werden aber die besonderen Pretiosen durch diese eher dem Bereich Kunstmarketing zuzurechnenden Werke ueberdeckt.
Die Ausnahmen widerlegen zum Teil diesen ersten Eindruck und sind daher umso sehenswerter. Eine Raum-Lichtinstallation von Anthony McCall zeigt die Galerie Thomas Zander, die ironisch-intelligenten Arbeiten des viel zu frueh verstorbenen Peter Roehr oder auch die Arbeiten aus der Photographischen Sammlung SK Stiftung Kultur sind fuer mich die Highlights in Koeln.
Ein Besuch lohnt sich aber in jedem Fall, allein die Moeglichkeit mit Galeristen und Kuenstlern in direkten Kontakt zu gelangen ist schon ein Rundgang wert.
Das EMAF in Osnabrueck geht ins 20. Jahr, zum Jubilaeum werden wieder hochkaraetige Ausstellungen in der Dominikanerkirche gezeigt und ein Festival an diversen Locations realisiert. Die Ausstellung “Final Cut” zeigt ganz in der Tradition des Festivals (war anfangs das Event fuer experimentellen Film in Deutschland) Ueberschneidungen zwischen Medienkunst und Kino, hier sind renommierte Positionen zu sehen.
Zum Jubilaeum sind Peter Weibel und Lynn Hershman (beide aus dem ZKM in Karlsruhe wohlbekannt) eingeladen. Der Kongress mit Referaten, das Student Forum mit Beitraegen verschiedener Hochschulen und eine Performance machen den besonderen Charakter dieses Festivals aus und den Besuch in jedem Fall lohnend.
Das Festival ist am Wochenende 25. - 29.04.2007, die Ausstellung vom 25.04 - 20.05.2007
Das Projekt “PALABRA DE FUEGO” (Word of Fire) in der mexikanischen Grenzregion Ciudad Juarez ist ueberraschend von administrativer Seite abgesagt worden. Im Rahmen eines Vorhabens ueber einen laengeren Zeitraum sollten fast 20 Kuenstler Arbeiten realisieren die einen Bezug auf die besondere Situation dieser Region an der stark befestigten Grenze zwischen den USA und Mexico nehmen. Hier treffen erste und dritte Welt aufeinander, die Menschen beiderseits der Grenze sind von Hoffnungen, Aengsten und Gewalt gepraegt.
Sierra gehoert zu den radikalsten und kompromisslosesten Kuenstlern unserer Zeit, in vielen oeffentlichen Vorhaben setzt er sich kritisch mit Globalisierung, Funktion und Wert von Arbeit sowie den Phaenomenen von Gewalt in unterschiedlichen Zusammenhaengen auseinander.
Infos: Proyecto Juarez oder Santiago Sierra
Da kommt sie wieder durch, die unnachgiebige Haerte des Rechtsstaats. In Aeusserungen fuehrender CSU-Politiker wird heftige Kritik an der rechtmaessigen Haftentlassung von Brigitte Mohnhaupt geuebt. Ist diese Entlassung aber doch ein Zeichen, dass auch fuer langjaehrig Inhaftierte die mit dem Urteil ausgesprochene Haftdauer gilt und dann bei nicht mehr bestehender Wiederholungsgefahr eine Freilassung rechtmaessig ist. Verlangt man dafuer aber (Gesinnungs)Gegenleistungen so stellt sich der Rechtsstaat damit selbst in Frage.